Wie im Jugendhilfezentrum Schnaittach Klimagerechtigkeit vermittelt und gelebt wird
Es sind die vielen kleinen und großen Aktivitäten und Initiativen, die im Jugendhilfezentrum Schnaittach den Unterschied machen: Wärmepumpe und Solarenergie, Wasserspar-Duschköpfe, ÖPNV-Ticket, Kleidertauschparty und Bio-Lebensmittel. Das sind einige Beispiele aus der großen Liste von Maßnahmen, die sich das Jugendhilfezentrum Schnaittach zur Aufgabe gemacht hat. “Wir können aus unserer Sicht die zentralen Leitnormen der Kinder- und Jugendhilfe – also Kinderschutz, Kindeswohl, Kinderrechte, Anwalt der Kinder – nicht glaubwürdig vertreten, wenn wir nicht konsequent auf der Seite der jungen Menschen stehen, uns mit und für diese für Klimagerechtigkeit einsetzen und in der eigenen Einrichtung vor Ort umsetzen”, sagt Einrichtungsleiter Willibald Neumeyer.
Das Jugendhilfezentrum, dessen Träger der Caritasverband Nürnberg ist, hat fünf Bereiche identifiziert, in denen es sich besonders engagiert: Heizenergie – Strom – Mobilität – Ökologie/Nachhaltigkeit – Klimaanpassung. Dabei geht der Verband mehrdimensional vor: Es werden energiesparende Maßnahmen umgesetzt und regenerative Technik eingesetzt.
Das geschieht durch kostenintensive Investitionen oder auch den Einsatz günstiger Mittel. Ein Öko-Arbeitskreis engagierter Mitarbeitenden begleitet diesen Prozess. Über eine CO2-Bilanz, die die Einrichtung seit 2018 führt, ist die positive Entwicklung gut nachweisbar. Ziel ist die Klimaneutralität in energetischer Hinsicht bis 2030, die voraussichtlich auch erreicht werden kann. Neben normativen Aspekten geht es aber auch um eine betriebswirtschaftliche Perspektive, die in der deutlichen Senkung unserer Energiekosten zum Ausdruck kommt. Finanziert wurden die einzelnen Maßnahmen durch Eigen- und Fördermittel. Der Caritasverband Nürnberg e.V. unterstützt das Engagement des Jugendhilfezentrums in vollem Umfang.
Die Auswahl-Liste der einzelnen Maßnahmen zeigt die Vielfalt und Kreativität des ökologischen Engagements des Jugendhilfezentrums Schnaittach.
Die Maßnahmen:
Heizenergie: Wärmedämmung fast aller Gebäude, ein Niedrigenergiehaus (KfW 55), Heizungserneuerung: Ersatz von Öl- und Gasheizungen durch Pelletheizung/Wärmepumpe, Vier Solarthermie-Anlagen, Wassersparköpfe an allen Duschen
Strom: 5 Photovoltaik-Anlagen (120 kWp), 50 kWp in Planung, 5 Solarspeicher (51 kWh), 30 kWh in Planung, Komplette Umstellung der Beleuchtung auf LED, Wäscheständer statt ausschließlich Trockner für die Wohngruppen, Elektrogeräte mit niedrigem Energieverbrauch
Mobilität: Mehrere E-Autos, eigene Ladeinfrastruktur über PV-Anlagen, ÖPNV-Monatsticket für die Gruppen, Bezuschussung Deutschland-Ticket, zwei dienstliche E-Bikes, Car-Sharing
Ökologie/Nachhaltigkeit: Weitestgehend Bio-Lebensmittel, Fortbildung nachhaltige Ernährung, Trinkwasserspender, Blumenwiese, Regenwasser zur Bewässerung der Außenanlagen, ökologische Reinigungsmittel, keine Pestizide, Kleidertauschparty.
Klimaanpassung: Natürliche Beschattung durch Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern, Entsiegelung von Flächen.
Die tägliche Begegnung mit Klimaschutzmaßnahmen hat auch eine positive Wirkung auf das Bewusstsein der jungen Bewohner*innen. Bewohnerin Caro bringt es auf den Punkt:
„Wir kommen aus einer Realität, in der wir uns keine Gedanken über das Klima machen können, denn vielleicht ist gerade unser größtes Problem, ob wir morgen etwas zu essen haben. Klimaschutz ist nicht unsere Priorität Nummer eins. Und trotzdem hat das Thema Priorität, weil es um unsere Zukunft geht“
Kontakt:
Caritasverband Nürnberg e.V., Jugendhilfezentrum Schnaittach
Einrichtungsleitung Willibald Neumeyer
Stellv. Einrichtungsleitung Dagmar Held
jugendhilfezentrum@caritas-nuernberg.de
Mehr Infos: https://www.aufruhr-magazin.de/klimaschutz/wie-die-caritas-jugendhilfe-und-klimaschutz-zusammenbringt/